Freispielzeit

"Freispiel im Kindergarten nennt man den Zeitabschnitt der pädagogischen Arbeit in welchem sich Kinder das Spielzeug, den Ort und den Freund zum spielen selbst wählen dürfen."
(aus: "Freispiel - Freies Spiel?", Maria Caiati, Don-Bosco-Verlag).

Für uns heißt Freispiel auch: Innerhalb eines vorgegebenen, sicheren Rahmens (Zeit, Raum, gemeinsam erarbeitete Regeln, mit einer Freiheit umgehen lernen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, um damit ein Stück Selbständigkeit zu erwerben.

Vorrangig sind hier persönliche und soziale Aspekte. Das Kind profitiert im freien Spiel (drinnen wie draußen) auch in anderen Erziehungsschwerpunkten, wie Kennenlernen und Gebrauch von Material oder da Ausprobieren lebenspraktischer Dinge.

Das Einüben des Mengen- und Zahlbegriffs, der Farben, Begriffe (Ober- und Unterbegriffe), Formen, die Merkfähigkeit und Ausdauer können bei Regel- und Rollenspielen trainiert und verfeinert werden. Und darüber hinaus lernt man auszuhalten, zu verlieren oder sich zu freuen, wenn man gewinnt. Beim Schneiden, Malen und Basteln wird die Feinmotorik (Fingerfertigkeit) geschult. Erlebnisse werden verarbeitet, und die Kinder können ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Bauklötze im mathematischen wie kreativen Bereich liefern keine Spielanleitung mit, die Kinder leiten hier das Spiel. Sie errichten ganze Städte, Landschaften, einen Zoo, den Eiffelturm oder das Empire State Building. Ganz nebenbei lernen sie statische Gesetze und mathematische Ordnungen kennen.

Im Mehrzweckraum (Turnraum) gehen Kinder ihrem Bewegungsdrang nach, üben Bewegungsabläufe (Laufen, Springen, Hüpfen, Balancieren ...), nehmen ihren Körper wahr, lernen ihre Kräfte zu gebrauchen und entsprechend zu dosieren.
Die Kinder haben während des Freispiel auch die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, zu entspannen, sich auszuruhen.

Die Pädagogen und das Freispiel

Erziehung ist ein Balanceakt zwischen Beziehung und Führung. Wir sind Partner des Kindes, wollen gegenseitiges Vertrauen aufbauen, miteinander leben. Auf der anderen Seite behalten wir den Überblick, nehmen die Kinder mit ihren Möglichkeiten und Grenzen wahr und handeln entsprechend. Für das Freispiel schaffen wir eine anregende, aber nicht aufregende Spielumgebung. Wir bevorzugen Spiel- und Bastelmaterial, das variable Spielmöglichkeiten zulässt. Somit können, je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder, Aufgabenstellungen und Spielregeln verändert werden.
Im Freispiel haben wir mehrere Aufgaben. Auf der einen Seite gewähren wir den Kindern Zeit und Raum, auch einmal "Langeweile" auszuhalten, zu beobachten, "nichts" zu tun. Auf der anderen Seite geben wir den Kindern Hilfestellung bei Bedarf, stehen ihnen beim Knüpfen von Kontakten mit anderen Kindern bei und "stupsen" sie an, damit sie den Zugang zur eigenen Phantasie und Kreativität finden.

Wir sind als ganze Person präsent. Wir schenken den Kindern Vertrauen und trauen ihnen gleichzeitig viel zu. Die Kinder sollen wissen: Da ist jemand, der mich versteht und unterstützt.

Ein sehr bedeutender Faktor neben dem An- und fitspielen ist das Beobachten. Wir sehen, welche Spiele das Kind bevorzugt, welche Beschäftigungen es eher auslässt, wie es spielt, ob es sich vertiefen kann, Ausdauer zeigt, welche Entwicklungsschritte es macht (geistig, körperlich, sozial, emotional und motivational).

Auf intensiver und gezielter Beobachtung baut die weitere Planung unserer Arbeit (Freispiel, gezieltes Angebot, Kleingruppenarbeit, gezielte Förderung einzelner Kinder) auf. Zudem ist Beobachtung, besonders im Hinblick auf die Gespräche mit Eltern wichtig, damit das Kind nicht defizitorientiert, sondern als ganzer Mensch betrachtet wird.